LUDWIGSFELDE - Wenn es dienstags, mittwochs und donnerstags in der 4. Grundschule Ludwigsfelde zur zweiten Hofpause klingelt, stürmen die Kinder ins Café „Mc Pause“. Den Namen für den großen hellen und immer zur Jahreszeit passend dekorierten Raum mit kleiner Küchenzeile erdachte ein Schüler. Dort steht seit zwei Jahren Susanne Baganz, Lehrerin für Deutsch, Sachunterricht und Kunst, hinter dem Tresen.
Seit einem halben Jahr ist an ihrer Seite Nils Roessiger. Erst war der Zwölfjährige aushilfsweise dabei, jetzt ist er an allen drei Tagen mit da. Er belegt helles Brot mit Salami und Käse, bäckt die Scheiben im Sandwichmaker, schiebt die fertigen Sandwiches auf die Teller und reicht sie weiter. Es muss fix gehen, denn die Bestellungen kommen am laufenden Band. Franziska und ihre Freundin möchten außer dem Sandwich noch zwei heiße Waffeln. Der neun Jahre alte Jeremy braucht unbedingt sechs Lutscher, für sich und seine Freunde, wie er sagt. Andere Kinder wollen Nudeln mit Tomatensoße, Würstchen mit Brot oder Cornflakes mit Milch. Susanne Baganz und Nils haben alle Hände voll zu tun, denn die Pause dauert nur 35 Minuten und der Ansturm ist groß. Lara beispielsweise geht morgens immer nüchtern aus dem Haus. Zwar hat das Mädchen seine Frühstücksbrote dabei, aber die halten nicht lange vor und sie freut sich auf ihr Sandwich in der zweiten Hofpause. Auch Lucas und Maurice haben das Café „Mc Pause“ für sich entdeckt und wollen es nicht missen, „weil es cool ist“. „Weltklasse ist unser Café“, findet Lehrerin Maren Wolter. „Susanne ist ein echtes Multitalent, sie gestaltet den Raum mit Herz und Liebe. Hier duftet es nicht nur lecker. Das ist in unserer Schule der Ort für die Seele, wo alle Probleme draußenbleiben“, schwärmt sie und ist froh, am Ende der Pause noch das letzte Sandwich des Tages zu bekommen.
Als vor Wochen, bei Temperaturen von minus 15 Grad, niemand in der Pause auch nur einen Fuß vor die Schultür setzen mochte, da war „Mc Pause“ der Zufluchtsort schlechthin. Als aber Susanne Baganz krank wurde, musste „Mc Pause“ geschlossen bleiben. 14 Tage lang. „Die Schüler waren traurig, alle mögen wir unser Café sehr“, sagt Nils. Ihm, der in seiner Freizeit den Computer ebenso schätzt wie das Handballspiel im Verein, macht es einfach Spaß zu helfen. Für einen alleine ist das hier nicht zu schaffen, das weiß Susanne Baganz und erklärt, dass die Arbeit für zwei schon grenzwertig ist. „Um kontinuierliche Öffnungszeiten zu gewährleisten, wäre es schön, wenn Eltern das Projekt unterstützen könnten. Vielleicht findet sich auch eine rüstige Oma“, sagt die schlanke Lehrerin noch, bevor sie und Nils sich daran machen, den Geschirrspüler zu bestücken und die Arbeitsflächen von Fettspritzern zu säubern. (Von Gudrun Ott)