Interview mit Schweinfurts Basketball-Spielertrainer Burkhard Steinbach vor dem Gipfeltreffen am Sonntag mit Tabellenführer Dresden: "Zu unserer Zeit war Training wichtiger als die Freundin!"
Herr Steinbach, der Spitzenreiter kommt, mit Dresden ein Großstadt-Club. Ist das für die DJK Mc Café die letzte Chance, damit die Saison doch noch gut wird?
Burkhard Steinbach: Bislang ist die Saison doch schon halbwegs nicht schlecht. Wir sind ja immerhin Dritter. Klar haben wir vor der Runde als Ziel die Meisterschaft ausgegeben. Doch auch wenn es am Sonntag gegen Dresden sicher spannend wird und wir durchaus gewinnen können, so müssen halt, damit das noch was werden kann, auch mal andere Teams den Tabellenführer schlagen.
Warum war das Team letzte Saison dichter dran an der Meisterschaft?
Steinbach: Sicherlich lag das auch am Abgang von Max Kidd, weil man halt erst mal einen finden muss, der im Schnitt 20 bis 25 Punkte schubst. Ein Sergej Grebenjuk, der aus beruflichen und familiären Gründen aufhörte, fehlt naürlich auch. Wo er unterm Korb stand, da stand eben kein anderer... Und dann ist es im zweiten Jahr nach einem Aufstieg immer so, dass die Gegner nun besser Bescheid wissen. Zudem sind das Gegner, die wie wohl Gotha oder Chemnitz sicher öfters trainieren als wir mit unseren vielleicht zwei Einheiten pro Woche. Um unsere jungen Spieler voranzubringen, wäre sicherlich vier oder fünf Mal Training pro Woche notwendig.
Nach zwei Jahren ganz oben an der Spitze scheint der Schweinfurter Basketball-Aufschwung gebremst. Ist mit der Regionaliga 2 das Ende der Fahnenstange bereits erreicht?
Steinbach: Mit der momentanen Truppe ist das Limit sicher erreicht. Maßgeblich ist da auch der finanzielle Punkt, ob es irgendwann weiter gehen kann. Dazu bräuchten wir andere Voraussetzungen. Momentan ist mit mir der eine Leistungsträger fast 40, mit Jan Seume der zweite über 30. Bei vielen Jungs sind die Ausschläge zu groß. Nur ein Beispiel: Bei uns muss ein Spieler mit seinem Vater eine Scheibenwischanlage wechseln, kann deshalb nicht zum Üben kommen. Zu meiner aktiven Glanzzeit hätte es das nicht gegeben. Da hätte man eher die Freundin verlassen als ein Training zu versäumen.
Wie sehr verträgt sich das mit dem Ehrgeiz eines Burkhard Steinbach?
Steinbach: Es ist ja nicht so, dass es nur um meinen Ehrgeiz geht. Die Jungs müssen es wollen. Ein Demond Greene war früher zu Würzburger Zeiten gar nicht mal so viel schlechter als ein Dirk Nowitzki. Dirk aber hat einfach mehr gemacht....
Vor rund zweieinhalb Jahren bei der Vorstellung und dem Start Ihrer Trainerkarriere kam das Wort "Bundestrainer" über Ihre Lippen, als es um persönliche Ziele ging? Nur ein Spaß oder wird man den Coach Steinbach irgendwann mal im Profi-Basketball sehen?
Steinbach: Das war nur Spaß. Natürlich würde mich so eine Aufgabe im Profi-Basketball reizen. Aber ich habe ja meinen Hauptjob.
Würzburg und die Baskets stehen mit ihren großen Plänen an sich genau vor Ihrer Haustüre. Wäre das reizvoll und nicht vielleicht ein logischer nächster Schritt? Zumal die Baskets am Montag Trainer Berthold Bisselik freigestellt haben....
Steinbach: Das ist abwegig, weil da sehr viel Aufwand dahintersteckt. Die Würzburger wollen ja wieder ganz nach oben, in die Bundesliga. Aber klar wäre es eine Herausforderung. Doch man sieht ja am aktuellen Beispiel, wie schnell man als Profitrainer auch wieder auf der Straße steht. Und wenn man dann woanders hin will, könnte ich meine Felder nicht mitnehmen.... Natürlich wäre auch Nachwuchsarbeit in Würzburg reizvoll. Im Team der NBBL spielt ja unser Schweinfurter Talent Marvin Matl erfolgreich mit. Aber momentan habe ich bei der DJK Mc Café noch immer großen Spaß.
Für welche Basketball-Philosophie steht Burkhard Steinbach?
Steinbach: Ich bin sicher kein Trainer, der gerne defensiv spielt. Ein 100:90 ist mir lieber als ein 60:50. Ich mag attraktiven Basketball.
Die 40 an Lebensjahren naht im Sommer. Zeit für das Karriereende des "Koloss von Moos"?
Steinbach: "Ende" ist eh das falsche Wort, weil wir gerade in Würzburg Pläne haben mit einer Ü 40-Truppe von Alten Herren. Was Schweinfurt betrifft: Wenn wir keinen neuen Center finden, dann kann es schon sein, dass ich weiter meine Schuhe schnüren muss...
Wir man Sie also nächste Saison noch bei der DJK Schweinfurt sehen?
Steinbach: Wir haben noch nicht darüber gesprochen, aber ich gehe davon aus.
An sich wollten Sie längst als Spieler kürzer treten, sind heuer aber in guter Form und mehr denn je, möchte man meinen, unter den Körben zu finden. Ist das für die Gunnerz die einzige Chance, die fehlenden Punkte von Max Kidd zu kompensieren?
Steinbach: Es geht ja gar nicht unbedingt um meine Punkte, mehr eigentlich ums Verteidigen unter dem eigenen Korb und um Rebounds. Und das wiederum liegt daran, dass wir uns bei den wenigen Trainingseinheiten lieber auf die Offensive konzentrieren, auf Würfe und auf Korbleger. Da muss ich dann am Wochenende schon noch ran und hinten helfen.
Mit den Neuzugängen vor der Runde war es ja eher ein Griff ins Klo. Warum sind die Jungs ale schon wieder weg?
Steinbach: Kelubia Ekoemeye ist halt eher unkonstant und nicht so zuverlässig, sagen wir´s so. Er wartet nach seinem Lehramtsstudium auf seine Referendariatszeit, modelt nebenbei, um Geld zu verdienen. Vielleicht kommt er im März nochmal zum Spiel gegen Marktheidenfeld. Zuletzt war er in Dallas beim Allstar-Game der NBA. Bei Alex Schreiner, und ähnlich auch bei Steffen Wienhold, war es so, dass seine Erwartungen und unsere sich halt nicht überschnitten haben, was die Einsatzzeiten betrifft. Schreiner hat zudem in Bamberg beruflich zu tun, war dann über Weihnachten mit den Eltern in Amerika und spielt nun für Breitengüssbach. Bei vielen Jungs fehlt halt einfach der Ehrgeiz. Nochmal dazu das Beispiel aus Würzburg früher: Auch ein Robert Garrett aus Ochsenfurt war ein riesiges Talent. Aber Dirk Nowitzki hat im Vergleich dazu eben damals schon zehn bis 20 Prozent mehr getan für seine Karriere.
Wird die Runde 2010/11 in Schweinfurt bereits geplant? Was ist angedacht? Welche Positionen müssen verstärkt werden? Wird Max Kidd zurückkehren?
Steinbach: Wir warten noch ab. Das Problem in Schweinfurt ist ja, dass unsere Jungs eher weggehen, als dass wir neue Leute bekommen. Ein Benni Weber zum Beispiel macht gerade Abitur, wir müssen schauen, wohin es ihn danach verschlägt. Mit Glück nach Würzburg, von wo aus ja eh momentan die meisten Spieler anrollen. Was Max Kidd betrifft, so muss er schauen, dass er in seinem Beruf als Schauspieler Fuß fasst. Das ist der Business, den er anstrebt. Dafür habe ich vollstes Verständnis.
Auch das zunächst zeitlich befristete Engagement von Mc Donald´s-Franchisenehmer Stephen De Santo läuft ja aus. Wird die Partnerschaft verlängert?
Steinbach: Da bin ich als Trainer der völlig falsche Ansprechpartner. Klar aber ist, dass wir uns ohne die notwendige finanzielle Unterstützung vielleicht noch nicht mal die 2. Regionaliga leisten könnten.
Geboomt hat Basketball in Schweinfurt nur bei den beiden Endspielen der letzten zwei Spielzeiten gegen die TG Würzburg und Herzogenaurach, als es jeweils um die Meisterschaft ging. Bei den Würzburg Baskets schauen regelmäßig mehr als 2000 Leute zu, bei der DJK Mc Café selten mehr als 200. Ist Schweinfurt einfach keine Basketball-Stadt?
Steinbach: Zumindest ist es keine Universitätsstadt und kommen hier Eishockey und Fußball scheinbar besser an. Schwierig zu beurteilen, warum wir nicht so populär sind, ich hab´ keine Ahnung. Obwohl wir doch wirklich attraktiven Basketball spielen. Das müsste sich doch schon herumgesprochen haben.
Wieviele Leute würden dann in Schweinfurt zu einer Autogrammstunde mit Dirk Nowitzki kommen?
Steinbach: Viele wahrscheinlich. Zumindest viele mehr, als bei unseren Spielen zuschauen...
Wäre so eine Autogrammstunde realistisch?
Steinbach: Ich bin nicht der Typ, der Dirk sowas fragen würde. Ich weiß zwar, dass er es vielleicht machen würde. Aber wenn er mal für ein paar wenige Tage in Würzburg ist, dann will ich ihn nicht auch noch darum bitten, nach Schweinfurt zu kommen.
Wie eng ist der Kontakt noch zu ihrem einstigen Würzburger Teamkollegen?
Steinbach: Unter der Saison ist er nur schwer zu erreichen, dann schicken wir uns ab und an mal eine SMS. Im Sommer sehen wir uns schon mal, wenn er hier ist und Zeit hat. Aber dann ist er auch viel unterwegs mit der Nationalmannschaft.
Wird sich Dirk heuer seinen Traum vom NBA-Titel mit Dallas erfüllen können?
Steinbach: Abwarten. Die Mavericks haben mit ihm halt nur einen konstanten Punktesammler, andere Teams haben zwei oder drei.
Mit Nowitzki spielten sie einst vor bis zu 4000 Leuten in der Bundesliga, nun zum Karriereende vor manchmal nur 150 Leuten in Schweinfurt: Wie sehr frustet das?
Steinbach: Es wundert mich einfach nur, weil wir halt schon attraktiven Sport bieten. Mehr können wir nicht machen, ich kann das leider nicht ändern.
Die DJK Mc Café gab am Mittwoch bekannt, dass Max Kidd signalisierte, eventuell bis Saisonende wieder zur Verfügung zu stehen. Daher wird am Sonntag mit einem Einsatz des Topscorers gerechnet. Ein Grund mehr für einen Besuch in der Georg Wichtermann-Halle....



